Attention, Ready, Row. -Rudern in der Metropolregion.

Attention, Ready, Row.
Verschwitze Einteiler, glühende Gesichter, und kalte Hände an grauen Novembertagen. Die Finger wie Eiszapfen, halb festgefroren an den Skulls, stets begleitet von dem vertrauten Schmerz, der sich zwar langsam, aber kontinuierlich ausbreitet, während die Kälte Schritt für Schritt aus den Fingerspitzen weicht. Nur der erste Schmerz von vielen.
Die Überwindung, jeden Tag, unabhängig von den herrschenden Wetterverhältnissen, um 07:00 morgens aufzustehen, um mit seinem Boot auf den Schultern keuchend die tiefen Stufen hinunter zum Steg zu laufen, um daraufhin in nebelverhangene Weiten zu blicken, anstatt in einen blauen Himmel. Und sich dabei zu fragen, was man hier jetzt eigentlich schon wieder macht.
Diese alles verzehrende Frage, die sich bei jeder Trainingseinheit unausweichlich von Neuem in den Kopf schleicht. Der Schmerz, die Quälerei. Jeder Atemzug ein Schlag, jeder Schlag ein erneutes Fragezeichen. Kannst du noch, willst du noch, wie lange hält man noch durch, lohnt sich das alles hier, warum tust du dir das an. Diese Zweifel, die uns alle hin und wieder packen, wenn wir uns aus unseren zimmerwarmen Betten in aller Frühe hinaus quälen müssen. Diese Tage, wo einzig und alleine die Versprechen auf Kaffee und Feierabend, dejenigen sind, welche uns dazu antreiben aufzustehen, weiterzumachen, durchzuhalten.
Der Versuch, den Kopf abzuschalten und sich nur noch auf das Naheliegende zu konzentrieren. Den Schlagaufbau, die Kraft, die unendliche Weite, die noch vor einem liegt. Das Hineinrutschen in den Flow, wenn man endlich nur noch die eigenen keuchenden Atemzüge wahrnimmt. Pure Konzentration auf sich selber und nicht mehr auf die ausgeblichenen Kilometerangaben am Hafenrand. Am Ufer immer das gleiche Bild, kahle Bäume und Äste, die wie Landschaftsbilder vorüberziehen. Tapfer versuchen sie, sich gegen den Wind zu stemmen, genau wie mein Boot und ich.
Es ist jeder Kilometer, der zählt. Jeder einzelne Kilometer,der dich einen Kilometer weiter bringt als deine Gegner. Jeder einzelne Kilometer, der unbarmherzig in deinen Lungen brennt. Alles mit dem Ziel Deutsche Meisterschaft. Oder Weltmeisterschaft. Das ist das einzige, was einem zum Weitermachen und Durchhalten bewegt. Die großen Versprechen. Die Träume von Medaillen. Jede Liegestütze im Kraftraum , jedes Mal der Gedanke im Kopf: Deutsche Meisterschaft.
Auch das ist Mannheim. Das ist mein Mannheim. Das Mannheim, welches mir vertraut ist, und wo ich Teile meiner Jugend verbracht habe. Die meiste Zeit davon im Kraftraum oder im Boot. Oder auf dem Ergometer. Viele Wochenenden davon auch in anderen Rudervereinen im Umkreis der Metropolregion. Mit immer neuen Gesichtern und unterschiedlichen Trainern, welche einem mit lauter Stimme Anweisungen entgegenbrüllen, in der Hoffnung, dass sich das gerade neu zusammengesetzte Boot ein paar Zentimeter schneller bewegt. Dass wir es schaffen, eine Einheit zu bilden. Gleichförmigkeit. Gleichklang. Die Schwierigkeit, aus 2, 4 oder 8 Individuen ein Einziges zu formen. Der dabei entstehende Rhytmus, der mich jetzt noch manchmal in den Schlaf wiegt. Das vertraute und wiederkehrende Geräusch des gleichzeitigen Eintauchen der Blätter, das Rucken im Boot,wenn die Holzsitze über die knarrenden Rollen nach hinten rutschen.
Fremde Menschen, die die Kontrolle darüber behalten, ob man aussortiert wird oder weiterkommt. Die über dein Schicksal im Sport entscheiden. Jedes Jahr neuer Nachwuchs,  was bedeutet, neue Konkurrenz. Das Ergebnis zeigt sich dann im Frühjahr  mit den ersten Strahlen der goldenen Märzsonne. Oder auch bei Gegenwind und prasselndem Regen im April. Auf der Regatta Mannheim im Mühlauhafen, stellvertretend für den typischen Mannheimer Industrie-Charm. Ein jährlich wiederkehrendes Event, ausgerichtet vom Mannheimer Regattaverein. Und wie jedes Jahr gibt es zähe Verhandlungen, wie lange man den Hafen für die Schifffahrt sperren darf. Die Pausen zwischen den Rennen werden immer länger. Logistik ist wichtiger als Sportveranstaltungen, es muss ja schließlich Gewinn erwirtschaftet werden. Bis die Regatta irgendwann nicht mehr ausgetragen werden darf.
Aber solange es sie noch gibt, werde ich da sein. Mit meinem Ruderboot. Und kämpfen. Denn ,,Länger Durchhalten ist der Schlüssel aller Siege“.IMG_9046
Dieser Artikel entstand im Rahmen eines Seminars an der Universität Mannheim. Unser erster Blogeintrag hatte als überaus spannendes Thema: Unsere einzigartige Quadratestadt! Dabei waren wir frei in der Gestaltung des Schwerpunktthemas. So sind einige kreative und spannenden Artikel zusammen gekommen, die sich mit unsere Stadt, unserer Region und den jeweiligen Interessen/Leidenschaften/Passionen der verschiedenen Autoren befassen. Take a looooook !
Anbei die Links zu den super interessanten & kreativen Blogs meiner MitbloggerInnen (& eventuell) zukünftigen AutorenInnen:

schwabokultur (es geht um das Leben in zwei Kulturen)

Naturelover502 (Naturliebe, so einfach kann es sein)

Bücherpension (Yeah, ein Buchblog)

Marina Del Rey (Literaturblog – schaut ihn euch an!)

Life of Marsite  (über das Leben in Spanien)

Lesekrümel (Noch ein Buchblog, diesmal zu Kinderbüchern, wohoo)

Zauberhafte Lesestunden (der dritte Buchblog dieses Mal!!!)

Tasty Mind Blog (veganer Backblog)

Huddle with Mari (Football)

Gemütsgarten (ein Gartenblog)

Reise mit MC (über das Leben mit MC)